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Vor allem im Frühjahr und Sommer bietet sich ein Besuch in der rund eine Million zählenden Metropole Odessa direkt am Schwarzen Meer an. Schon Puskin bemerkte, dass man „in Odessa ganz Europa atmet“. Er war hier zwei Jahre im Exil. Die in der Sowjetzeit wichtigste Hafenstadt und nach wie vor wichtige Handelsverbindung gibt sich so gar nicht wie eine übliche Sowjetstadt.

Die Stadt reizt mit einer herrschaftlichen Architektur, viel Grün und bietet eine Innenstadt die fernab der immer gleich wirkenden öden City Center üblicher internationaler Städte Ihresgleichen sucht. Odessa erreicht man täglich mit direkten Flugverbindungen, und vom Flughafen geht auch eine Busverbindung direkt in die Stadt. Jedoch findet man den Bus wirklich nur dann, wenn man auch Russisch sprechen kann. Alternativ nimmt man eines der vielen Taxis, die sich durch ihre aufdringlichen Fahrer ohnehin sofort bemerkbar machen.

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Sollte Ihr Hotel einen Shuttledienst einrichten können, dann nehmen Sie diesen und hoffen, dass dieser auch bei der Ankunft da ist. Man bezahlt eigentlich immer das Doppelte, wenn man nicht schon vorab ein Taxi geordert hat. Man kann natürlich auch mit der Bahn nach Odessa reisen, wenn man direkt aus der Föderation angereist kommt, ist dies wahrscheinlich eine sehr komfortable Lösung.







Der Bahnhof Odessas befindet sich unweit des Zentrums.

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Dort ist auch der große Markt nicht weit, wo es insbesondere viel Fisch zu kaufen gibt .

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In der Stadt angekommen, bezogen wir unser Hotel Kleopatra. Es befindet sich direkt im Stadtzentrum, bietet ein sehr großes Zimmer und einen wunderschönen Holzstil in jedem Zimmer und das Ganze für nicht mehr als 15 Euro. Gefrühstückt werden kann gleich in einem der Cafes, die direkt beim Hotel/Pension sind.

Odessa ist eine sehr multikulturelle Stadt – über 100 Nationen tummeln sich hier. Vor allem Juden siedelten sich hier an und stellten teilweise bis zu ein Drittel der Bevölkerung. Auch hier gab es durch die Pogrome während des zweiten Weltkriegs eine Zäsur, und die Juden wurden arg dezimiert. Heute gibt es noch die Brodzky-Synagoge, die vom Staat mitfinanziert wurde und das Staatsarchiv beherbergt. Auch eines der größten Tunnelsysteme befindet sich hier (2.400 Meter soll es lang sein, und ein kleiner Teil ist für Besucher zugänglich). Früher galt es auch als Zufluchtsort für Partisanen. Auch fällt dem interessierten Besucher der Stadt die Vielzahl an Pflastersteinen auf. Vor allem akustisch nerven sie, wenn die Personenwägen drüber galoppieren. Die Steine haben einen weiten Weg hinter sich. Italiener nahmen vom Vesuv das Lavagestein mit, damit sie auf der unruhigen Fahrt am Schwarzen Meer mit den Booten nicht so leicht kenterten. Nach Entgegennahme von Weizenlieferungen in Odessa mussten die Steine aus Platzgründen zurück bleiben und sind noch heute dort.

Die Flaniermeile in Odessa ist die Deribasowskaja – ein herrschaftlicher Boulevard, wenn auch am Abend wegen der Energieknappheit oft nur spärlich beleuchtet. Hier finden Sie auch eine Menge an tollen Lokalen unterschiedlicher Geschmacksrichtungen. Angeblich soll hier Kandinski gelebt haben, doch von den rund 300 Lokalen, die es hier vor dem 1.Weltkrieg gegeben haben soll, ist im Vergleich zu heute nicht mehr viel über.

Im Übrigen ist die vor 200 Jahren auf dem Reißbrett entworfene Stadt schachbrettartig aufgebaut – Sie werden sich nicht verlaufen. Ansonsten ist auch in Odessa vieles ähnlich dem, das man sonst im Osten zu sehen bekommt. Tausende offensichtlich blühende Läden, die ihre Betreiber gut ernähren, tausende von neuen, westlichen Mittelklasseautos, eine fröhliche Schicht hedonistisch Konsumierender und wahre Heere von adrett gekleideten, solide mit der neuesten Musiktechnik verkabelten Jungen. Es ist und bleibt eine zwiespältige Sache. Hier die schreiende Armut in den Vorstädten und auf dem Lande, da das glitzernde Odessa mit seinen Läden, seinen vergnügten Menschen und seinen Autos.

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Die Flut der Luxusautos ist geradezu verstörend, doch auch Mittelklassewagen gibt es immer mehr, und die teilweise auch sehr teuren Restaurants sind am Abend überfüllt, und zwar nicht nur mit Ausländern (die gibt es derzeit ohnehin kaum), sondern mit Ansässigen. Am Ende der Flaniermeile, die eine Fußgängerzone ist, kommen Sie zur Potemkinschen Treppe. 192 Treppen führen hinab zum Hafen, oder besser gesagt zu einer Hauptstraße, die erst mal überquert werden muss. So schön die Treppe ist, so enttäuschend ist das Ende der Treppe – da könnte man mehr daraus machen. Auch der Hafen bietet außer einem sehr schönen Restaurant, von dem man aufs weite Meer blicken kann und die Ruhe der See genießen darf, sehr wenig.

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Man merkt, Odessa war und ist eine Industriestadt – mit einem südeuropäischen romantischen Hafen/Marina können Sie also hier nicht rechnen. Odessa ist wegen der mutigen Verteidigung gegen die Deutschen übrigens auch eine der Heldenstädte der UdSSR.

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Wie gesagt, das Ende der Treppe ist nicht gerade schön, und der Hafen mit seinem neuen hinzugebauten Hotelkasten schafft auch keine wirkliche Abwechslung. Dafür hat man einen angenehmen Blick auf das Meer und auf die schön beleuchtete Potemkin’sche Treppe, ganz ohne Menschenansammlungen. Auch das kann schön sein.

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Einen Besuch wert ist auch die restaurierte neobarocke Oper, – nicht nur das Haus an sich, sondern auch auch die Aufführungen. Odessas Oper genießt Weltruhm.

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Von Odessa aus können Sie Ausflüge zum Donaudelta machen. Das Wasser ist, wie ich bereits bei den Reiseberichten von der Krim beschrieben habe, kein wirklicher Köder. Es ist schmutzig und sollte somit eher gemieden werden. Es lohnt sich aber, am Strand spazieren zu gehen. Dort ist auch das abendliche Ausgehviertel.




Fotos und Text: Wolfgang Glass

 

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