Gardasee intensiv erleben: Zwischen Bergen und Wasser entfalten Riva del Garda, Malcesine, Torri del Benaco und Lazise ihren ganzen Reiz.
Der Gardasee ist Italiens größter See und ein Ort, an dem sich Landschaft, Geschichte und Lebensgefühl auf besondere Weise verbinden. Wer die Nord und Ostseite des Sees bereist, erlebt einen faszinierenden Wechsel aus alpiner Kulisse, mittelalterlichen Ortskernen und mediterraner Leichtigkeit. Zwischen steil aufragenden Bergen und glitzerndem Wasser liegen vier Städte, die den Charakter dieser Region besonders eindrucksvoll widerspiegeln: Riva del Garda, Malcesine, Torri del Benaco und Lazise. Jede von ihnen erzählt ihre eigene Geschichte und trägt doch zum gemeinsamen Zauber des Gardasees bei.

Riva del Garda
Ganz im Norden des Gardasees, dort wo die Berge besonders nah an das Wasser heranrücken, liegt Riva del Garda. Die Stadt ist geprägt von einer spektakulären Lage zwischen dem See und den Hängen des Trentino. Schon zur Zeit der Römer war die Region besiedelt, im Mittelalter entwickelte sich Riva zu einem wichtigen Handelsort. Die Altstadt ist bis heute gut erhalten und lädt mit ihren Plätzen, Arkaden und historischen Fassaden zu einem Rundgang ein.

Ein markantes Wahrzeichen ist die Rocca di Riva, eine Festung aus dem 12 Jahrhundert, die heute ein Museum beherbergt. Direkt am Wasser gelegen, erzählt sie von der strategischen Bedeutung der Stadt. Der Torre Apponale, ein Stadtturm aus dem 13 Jahrhundert, bietet nach dem Aufstieg einen weiten Blick über Dächer, Hafen und See. Entlang der Uferpromenade spürt man die besondere Atmosphäre von Riva del Garda, wo Segelboote, Cafés und das Panorama der Berge zusammenkommen. Dank der konstanten Winde gilt die Stadt außerdem als Zentrum für Segeln und Surfen, was dem Ort eine lebendige und sportliche Note verleiht.

Malcesine
Fährt man vom Norden aus entlang des östlichen Seeufers Richtung Süden, erreicht man Malcesine. Der Ort schmiegt sich malerisch an den Hang des Monte Baldo und wirkt mit seinen engen Gassen und steinernen Häusern wie aus einem Bilderbuch. Malcesine blickt auf eine lange Geschichte zurück, die von Römern, Langobarden und der Republik Venedig geprägt wurde.

Das Herz des Ortes ist die Scaligerburg, die auf einem Felsen direkt über dem See thront. Sie stammt in ihrer heutigen Form aus dem Mittelalter und diente einst der Kontrolle des Schiffsverkehrs. Heute kann man die Burg besichtigen und von ihren Türmen aus den Blick über den Gardasee schweifen lassen. Die Altstadt von Malcesine lädt zum langsamen Entdecken ein. Kleine Plätze, Handwerksläden und Cafés eröffnen immer wieder neue Perspektiven auf das Wasser. Besonders reizvoll ist der Hafenbereich, wo Fischerboote und Ausflugsschiffe anlegen.

Ein besonderer Anziehungspunkt ist die Seilbahn auf den Monte Baldo. Sie bringt Besucher in kurzer Zeit von der Uferlinie in hochalpines Gelände. Oben eröffnet sich ein Panorama, das vom Gardasee bis zu den Dolomiten reicht. Wanderwege und Naturerlebnisse machen Malcesine zu einem idealen Ort für die Verbindung von Kultur und Landschaft.

Torri del Benaco
Weiter südlich liegt Torri del Benaco, ein ruhigerer und traditionsreicher Ort am Ostufer des Gardasees. Der Name geht auf die Türme der mittelalterlichen Burg zurück, die bis heute das Ortsbild prägt. Torri del Benaco war lange Zeit ein Fischerdorf und bewahrt sich bis heute eine gelassene und authentische Atmosphäre.

Die Scaligerburg von Torri del Benaco stammt aus dem 14 Jahrhundert und beherbergt ein kleines Museum zur lokalen Geschichte sowie einen Zitronengarten. Diese sogenannten Limonaie sind typisch für den Gardasee und zeugen von der früheren Bedeutung des Zitronenanbaus in der Region. Der Hafen von Torri del Benaco ist einer der schönsten am See. Holzboote, pastellfarbene Häuser und das ruhige Wasser schaffen eine besonders harmonische Kulisse.

Ein Spaziergang entlang der Uferpromenade oder durch die Altstadt zeigt die stille Seite des Gardasees. Torri del Benaco eignet sich ideal für Reisende, die den See abseits großer Ströme erleben möchten. Gleichzeitig ist der Ort ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge per Schiff oder für Wanderungen ins Hinterland.

Lazise
Noch weiter südlich erreicht man Lazise, eine der ältesten Gemeinden am Gardasee. Die Stadt war bereits im frühen Mittelalter bedeutend und erhielt im 10 Jahrhundert als erste Kommune Italiens Stadtrechte. Bis heute ist Lazise von einer vollständig erhaltenen Stadtmauer umgeben, die dem Ort ein geschlossenes historisches Erscheinungsbild verleiht.

Der Zugang zur Altstadt erfolgt durch ein Stadttor, hinter dem sich ein Netz aus Gassen und Plätzen öffnet. Der Hafen von Lazise liegt direkt im Zentrum und ist ein lebendiger Treffpunkt. Restaurants, Cafés und kleine Geschäfte säumen das Wasser und laden zum Verweilen ein. Besonders abends entfaltet der Ort eine besondere Stimmung, wenn das Licht der untergehenden Sonne die Fassaden widerspiegelt.

Die Scaligerburg von Lazise, heute in Privatbesitz, ist ein markantes Wahrzeichen, auch wenn sie nicht besichtigt werden kann. Der Reiz der Stadt liegt im Zusammenspiel von Geschichte, See und südländischem Lebensgefühl. Lazise ist außerdem ein beliebter Ausgangspunkt für Bootstouren und Spaziergänge entlang des Ufers in Richtung Bardolino oder Peschiera.

Landschaft und Lebensgefühl
Was die Nord und Ostseite des Gardasees so besonders macht, ist der ständige Wechsel der Eindrücke. Im Norden dominieren hohe Berge und ein fast alpines Klima, während weiter südlich milde Temperaturen und mediterrane Pflanzen das Bild prägen. Olivenhaine, Zypressen und Palmen wachsen entlang des Ufers, während im Hintergrund steile Felswände aufragen.

Der Gardasee war über Jahrhunderte hinweg eine wichtige Verkehrs und Handelsroute. Römer, Venezianer und verschiedene Adelsgeschlechter hinterließen ihre Spuren in Form von Burgen, Stadtmauern und Häfen. Heute verbindet der See diese Geschichte mit moderner Erholung. Fähren und Ausflugsschiffe ermöglichen es, die Orte bequem miteinander zu verbinden und den See vom Wasser aus zu erleben.

Praktische Reisetipps
Für eine Reise entlang der Nord und Ostseite des Gardasees empfiehlt es sich, mehrere Tage einzuplanen. Die Orte liegen relativ nah beieinander, unterscheiden sich aber deutlich im Charakter. Riva del Garda eignet sich gut als Ausgangspunkt für Aktivitäten in den Bergen. Malcesine verbindet See und Höhe auf einzigartige Weise. Torri del Benaco bietet Ruhe und Authentizität, während Lazise mit seiner lebendigen Altstadt und dem historischen Hafen begeistert.

Die beste Reisezeit liegt im Frühling und im Herbst, wenn die Temperaturen angenehm sind und die Orte weniger besucht. In den Sommermonaten herrscht lebhafte Urlaubsstimmung, insbesondere in Lazise und Malcesine. Wer früh am Morgen oder am Abend unterwegs ist, erlebt die Städte oft von ihrer ruhigsten Seite.

Fazit
Eine Reise entlang der Nord und Ostseite des Gardasees ist eine Reise durch unterschiedliche Welten, die dennoch harmonisch zusammengehören. Riva del Garda beeindruckt mit alpiner Dramatik, Malcesine verzaubert mit mittelalterlichem Charme, Torri del Benaco schenkt Ruhe und Authentizität, Lazise verbindet Geschichte mit südlichem Lebensgefühl. Gemeinsam formen sie ein Reiseerlebnis, das Lust macht, den Gardasee nicht nur zu sehen, sondern ihn wirklich zu erleben.






